Kategorie: 4 Musik
Taktlos online
Februar 12th, 2007Der Mitschnitt der Sendung "taktlos" im Bayerischen Rundfunk, bei der ich am vergangenen Mittwoch zu Gast war, ist inzwischen auch online verfügbar (als Flash, in mehrere Abschnitte aufgeteilt).
Ich fand es aufschlußreich, von Dieter Gorny eine Reihe von Argumenten in Reinkultur zu hören, die sonst selten so ausdrücklich formuliert werden ("Wenn ich ein Brötchen klaue, ist das Diebstahl, aber wenn ich ein Musikstück klaue, soll das keiner sein?") Wer letztlich die besseren Argumente hatte, mögen die Zuhörer entscheiden.
Leider kann man in so einer Podiumsdiskussion ja alles bestenfalls anreißen. Wer genauer nachlesen will — und das nicht schon getan hat — dem empfehle ich das Musik-Kapitel in meinem Buch (S. 85ff.), besonders aber auch den Abschnitt über den "Faktor Kopie" im letzten Kapitel (S. 149ff.).
Durchs Netz in die Top 40
Januar 28th, 2007Die Meldung ist schon ein paar Tage alt, aber doch so wichtig, dass sie in dieses Blog gehört: Zum ersten Mal hat es vor kurzem eine Band geschafft, die britischen Top 40 Charts zu erreichen, und zwar ohne einen traditionellen Vertrag mit einem Musik-Label zu haben, einzig und allein durch Publicity und Downloads über das Internet. Es ist die Band Koopa.
Man muss einräumen, dass dieses Ergebnis auch dadurch zustande kam, dass kurz vorher das Verfahren geändert wurde, nach dem die Top 40 Charts überhaupt ermittelt werden. Vorher konnten nur solche Stücke sich qualifizieren, die physisch auf einem Tonträger erhältlich waren. Jetzt werden auch reine Downloads über das Netz gezählt — bezahlte Downloads natürlich.
Nichtsdestoweniger glauben manche Beobachter, dass dies nicht weniger als der Anfang vom Ende der Musik-Industrie ist, wie wir sie heute kennen. Und es fügt sich sehr nahtlos in die Linie der Überlegungen im Musik-Kapitel des Buchs.
Hacker und Geheimdienste: Ein ungleicher Wettlauf?
Oktober 24th, 2006Ein Leser stellte mir vor kurzem die interessante Frage, ob es im Buch nicht einen inneren Widerspruch gibt: Einerseits sage ich, dass kryptographische Verfahren heute so mächtig sind, dass nicht einmal die Geheimdienste sie überwinden können (Seite 77f.). Wenn es aber um die Kopierschutz-Verfahren der Medienindustrie geht (die oft auf Kryptographie beruhen), dann dauert es in der Regel keine paar Tage, bis irgendein Hacker irgendwo auf der Welt das Verfahren ausgehebelt hat und die geschützten Inhalte sofort weltweit verfügbar werden. Auch das steht so im Buch (z.B. Seite 100f.).
Können die Hacker und Cracker also etwas, was die Geheimdienste nicht können? Oder bin ich im Buch zu sehr auf seiten der Hacker und traue den Geheimdiensten zuwenig zu?
Keineswegs, weder noch. Um einen Kopierschutz oder ein Verfahren zum Digital Rights Management (DRM) auszuhebeln, muss man nur in den seltensten Fällen die zugrundeliegende Kryptographie knacken. Bei einem modernen Verfahren wie AACS (das bei neuen DVDs verwendet werden wird) wäre das auch gar nicht möglich, denn hier kommt mit dem Advanced Encryption Standard (AES) ein in jeder Hinsicht professioneller Algorithmus zum Einsatz, bei dem es sehr unwahrscheinlich ist, dass ihn je ein Mathematiker überwinden wird. Und wenn es gelänge, dann wäre das eine epochale mathematische Entdeckung.
Das Problem und die fundamentale Schwachstelle von Kopierschutz und DRM besteht darin, dass die Medienindustrie damit einen Kampf gegen die eigenen Kunden führt. Die Industrie gibt dem Kunden nicht nur ein verschlüsseltes Musikstück oder einen verschlüsselten Film in die Hand, sondern sie muss ihm natürlich gleichzeitig die Möglichkeit geben, die Daten wieder zu entschlüsseln und sichtbar oder hörbar zu machen. Sonst würde der Kunde kaum dafür bezahlen.
Der Kunde muss also prinzipiell über den geheimen Schlüssel verfügen, um die Daten lesen zu können, auch wenn die Industrie versucht, dieses Geheimnis vor dem Kunden selbst zu verstecken, zum Beispiel indem sie den Schlüssel auf einem versiegelten Mikrochip im Inneren des DVD-Players speichert. Solche Geheimnisse sind schlichtweg nicht absolut – es wird früher oder später zu Indiskretionen in den Fabriken kommen, wo die Chips hergestellt werden, und dergleichen.
Aber selbst wenn es nicht gelingt, den geheimen Schlüssel freizulegen, bleibt die auch im Buch erwähnte andere Schwachstelle: Irgendwann bekommt der Kunde die Daten im Klartext, spätestens wenn sie sich durch die Kabel auf den Weg zum Lautsprecher machen, oder wenn sie die Pixel des Fernseh-Bildschirms zum Leuchten bringen. Spätestens dort kann man sie abfangen und in jedes beliebige freie Format umwandeln, wenn auch vielleicht mit einem gewissen Qualitätsverlust.
Es bleibt also dabei: Kryptographie funktioniert bemerkenswert gut, Kopierschutz und DRM dagegen können nicht funktionieren. Die Gefahr für die Gesellschaft besteht darin, dass die Industrie diese Verfahren, obwohl sie fundamental nicht funktionieren können, dennoch durchzusetzen versucht. Und zwar einerseits dadurch, dass die Strafandrohungen für einen umgangenen Kopierschutz in die Höhe geschraubt werden. Dazu gehört auch, die Menschen immer stärker zu überwachen, damit solche Kopierschutzverletzungen überhaupt bemerkt und geahndet werden können. Die andere Strategie besteht darin, den Bürgern die universell einsetzbaren Computer wegzunehmen. Wenn man solche Geräte nicht mehr kaufen kann, dann beginnt tatsächlich eine schöne neue Welt, in der man zwar bunte Pixel anschauen, aber sonst nichts mit ihnen machen kann. Und das ganz ohne Kopierschutz.
Das Sterben der Tauschbörsen?
August 11th, 2006In letzter Zeit häufen sich die Nachrichten über Musik-Tauschbörsen, die per richterlicher Anordnung geschlossen werden mußten, oder deren Funktion massiv eingeschränkt wurde: Grokster, Kazaa, BearShare, LimeWire, ... Das sind immerhin schon fast die Hälfte derer, die ich meinem Buch »Die Befreiung der Information« überhaupt erwähnt habe. Gewinnt also die Musik-Industrie den Kampf, und noch dazu schneller als erwartet? Wie deckt sich das mit meiner Behauptung, dass die Filesharing-Netze der zweiten Generation keine zentrale Instanz mehr kennen, die man rechtlich belangen oder ausschalten könnte?