Kategorie: 5 Film
D-Radio über hochauflösendes Fernsehen (HDTV)
Februar 5th, 2007In einem kurzen Gespräch hat mich das Deutschlandradio Kultur zum hochauflösenden Fernsehen befragt (HDTV). Der Anlaß: Das ZDF stellt heute auf das neue Bildformat 16:9 um. Außerdem wurde angekündigt, dass die Olympischen Spiele 2008 in der neuen, hochauflösenden Qualität übertragen werden.
Zum Glück heißt das nicht, dass sich nun jeder bis 2008 einen neuen Fernseher kaufen muss. Die Übergangsfristen sind sehr viel länger. Auch die guten alten Flimmerkisten werden also weiter bedient werden. Nur wenn man wirklich das hochauflösende Bild in seiner ganzen Pracht sehen will, braucht man natürlich ein neues Gerät.
Man sollte sich in diesem Zusammenhang aber bewußt sein, dass die Industrie mit der Umstellung auf HDTV auch gerne neue Spielregeln etablieren würde. Gerne würden Unterhaltungs-Elektroniker und Filmstudios verhindern, dass die neuen, hochauflösenden Daten einfach so aufgezeichnet, kopiert oder gar ins Internet eingespeist werden können. Eine Möglichkeit besteht darin, die Daten mit einer Art Stempel zu markieren, der dafür sorgt, dass jede Art von Aufzeichnungsgerät automatisch den Dienst verweigert. Man spricht dann von einem Broadcast Flag. Das Ansinnen, eine solche Markierung einzuführen (und per Gesetz alle Hersteller zu zwingen, ihre Aufzeichnungsgeräte dem zu unterwerfen), war jedoch bislang nicht erfolgreich. Bürgerrechtsorganisationen in den USA haben 2005 dafür sorgen können, dass dieses Gesetz scheiterte. Der Kampf geht freilich weiter. Neue Gesetzentwürfe versuchen das Broadcast Flag durch die Hintertür wieder einzuführen.
Es geht dabei um mehr als "nur" das Recht auf Privatkopie. Ich erinnere mich, wie mich kurz nach dem Hurrikan Katrina eine Mail aus den USA erreichte. Präsident Bush hatte eine Rede im Katastrophengebiet gehalten, aber was das amerikanische Fernsehen nicht zeigte, war, wie vorher die Location geschönt wurde, um eine Aktivität der Regierung vorzutäuschen, die es faktisch nicht gab. Im Deutschen Fernsehen konnte man dieses Schummeln jedoch sehen, und meine amerikanischen Freunde baten mich inständig, ob ich ihnen diese Bilder verschaffen könnte. Wir hatten sie schnell gefunden und übermittelt.
Je mehr Kontrolle die Industrie und die Politik über die Datenformate ausüben, und über die Geräte, mit denen wir fern-sehen, desto eher müssen wir uns sorgen, dass solche Szenarien wie das oben beschriebene irgendwann von staatlicher Seite unmöglich gemacht werden könnten.
Das Interview im D-Radio — in dem für den obigen Punkt leider nicht genügend Zeit war — ist als Audio-on-Demand verfügbar (ca 10 Minuten, MP3).
Hacker und Geheimdienste: Ein ungleicher Wettlauf?
Oktober 24th, 2006Ein Leser stellte mir vor kurzem die interessante Frage, ob es im Buch nicht einen inneren Widerspruch gibt: Einerseits sage ich, dass kryptographische Verfahren heute so mächtig sind, dass nicht einmal die Geheimdienste sie überwinden können (Seite 77f.). Wenn es aber um die Kopierschutz-Verfahren der Medienindustrie geht (die oft auf Kryptographie beruhen), dann dauert es in der Regel keine paar Tage, bis irgendein Hacker irgendwo auf der Welt das Verfahren ausgehebelt hat und die geschützten Inhalte sofort weltweit verfügbar werden. Auch das steht so im Buch (z.B. Seite 100f.).
Können die Hacker und Cracker also etwas, was die Geheimdienste nicht können? Oder bin ich im Buch zu sehr auf seiten der Hacker und traue den Geheimdiensten zuwenig zu?
Keineswegs, weder noch. Um einen Kopierschutz oder ein Verfahren zum Digital Rights Management (DRM) auszuhebeln, muss man nur in den seltensten Fällen die zugrundeliegende Kryptographie knacken. Bei einem modernen Verfahren wie AACS (das bei neuen DVDs verwendet werden wird) wäre das auch gar nicht möglich, denn hier kommt mit dem Advanced Encryption Standard (AES) ein in jeder Hinsicht professioneller Algorithmus zum Einsatz, bei dem es sehr unwahrscheinlich ist, dass ihn je ein Mathematiker überwinden wird. Und wenn es gelänge, dann wäre das eine epochale mathematische Entdeckung.
Das Problem und die fundamentale Schwachstelle von Kopierschutz und DRM besteht darin, dass die Medienindustrie damit einen Kampf gegen die eigenen Kunden führt. Die Industrie gibt dem Kunden nicht nur ein verschlüsseltes Musikstück oder einen verschlüsselten Film in die Hand, sondern sie muss ihm natürlich gleichzeitig die Möglichkeit geben, die Daten wieder zu entschlüsseln und sichtbar oder hörbar zu machen. Sonst würde der Kunde kaum dafür bezahlen.
Der Kunde muss also prinzipiell über den geheimen Schlüssel verfügen, um die Daten lesen zu können, auch wenn die Industrie versucht, dieses Geheimnis vor dem Kunden selbst zu verstecken, zum Beispiel indem sie den Schlüssel auf einem versiegelten Mikrochip im Inneren des DVD-Players speichert. Solche Geheimnisse sind schlichtweg nicht absolut – es wird früher oder später zu Indiskretionen in den Fabriken kommen, wo die Chips hergestellt werden, und dergleichen.
Aber selbst wenn es nicht gelingt, den geheimen Schlüssel freizulegen, bleibt die auch im Buch erwähnte andere Schwachstelle: Irgendwann bekommt der Kunde die Daten im Klartext, spätestens wenn sie sich durch die Kabel auf den Weg zum Lautsprecher machen, oder wenn sie die Pixel des Fernseh-Bildschirms zum Leuchten bringen. Spätestens dort kann man sie abfangen und in jedes beliebige freie Format umwandeln, wenn auch vielleicht mit einem gewissen Qualitätsverlust.
Es bleibt also dabei: Kryptographie funktioniert bemerkenswert gut, Kopierschutz und DRM dagegen können nicht funktionieren. Die Gefahr für die Gesellschaft besteht darin, dass die Industrie diese Verfahren, obwohl sie fundamental nicht funktionieren können, dennoch durchzusetzen versucht. Und zwar einerseits dadurch, dass die Strafandrohungen für einen umgangenen Kopierschutz in die Höhe geschraubt werden. Dazu gehört auch, die Menschen immer stärker zu überwachen, damit solche Kopierschutzverletzungen überhaupt bemerkt und geahndet werden können. Die andere Strategie besteht darin, den Bürgern die universell einsetzbaren Computer wegzunehmen. Wenn man solche Geräte nicht mehr kaufen kann, dann beginnt tatsächlich eine schöne neue Welt, in der man zwar bunte Pixel anschauen, aber sonst nichts mit ihnen machen kann. Und das ganz ohne Kopierschutz.
Verschlüsselte Kabel
August 17th, 2006Im Kapitel über die Musik habe ich erwähnt, dass alle Kopierschutz-Verfahren eine prinzipielle und unüberwindliche Schwachstelle haben: die Tatsache nämlich, dass der Kunde seine Musik ja auch irgendwann anhören will. "Spätestens also, wenn sich die Daten, in analoge Schwingungen verwandelt, durch die Kabel auf den Weg zum Lautsprecher machen, kann man sie abfangen und in jedes beliebige freie Format umwandeln." (Die Befreiung der Information, Seite 100)
Es sollte erwähnt werden, dass die Industrie sich im Falle des Films genau dieser Schwachstelle angenommen hat. Die neuen Standards für hochauflösende DVDs, Blu-Ray und HD-DVD (im Buch erwähnt ab Seite 112) enthalten auch ein Teilsystem, das gewissermassen das Kabel zwischen Player und Bildschirm verschlüsselt. Das System heißt HDCP (High-Bandwidth Digital Content Protection), und es soll dafür sorgen, dass man die neuen, hochauflösenden DVDs nicht einfach dadurch kopieren kann, indem man ein Aufzeichnungsgerät zwischen Player und Bildschirm schaltet. Das Verfahren bewirkt, dass nur akkreditierte Hersteller in der Lage sind, Bildschirme zu bauen, die an die neuen Player angeschlossen werden können. Der Datenstrom zwischen Player und Bildschirm ist dann verschlüsselt. Selbst wenn man ihn abfangen würde, wären diese Daten wertlos.
Allerdings haben Kryptographie-Experten schon einige Schwachstellen in HDCP entdeckt. Der oben gelinkte Wikipedia-Eintrag enthält sehr gute, ausführliche Informationen dazu.