Kategorie: 8 Schlusskapitel
Teure Journale und reiche Seifenverkäufer
September 5th, 2006Vor ein paar Tagen hat Rüdiger Vaas hier im Blog einen Kommentar geschrieben, in dem er darauf hinweist, wie zur Zeit im wissenschaftlichen Publikationswesen um den Status der Information gerungen wird. Ich denke, das ist eine wichtige Ergänzung zu meiner eher beiläufigen Erwähnung von arXiv.org im Buch auf Seite 156. Damit das nicht nur im Kommentarteil stehenbleibt, hier nochmal auf der "Frontpage":
Zum Thema "Freiheit der Information" in der Wissenschaftsszene hier zwei interessante aktuelle Links, die zeigen, wie viel Geld mit unfreier Information nach wie vor zu machen ist - und warum die Forscher damit ein Problem haben.
Rücktritt des ganzen editorial staffs der Zeitschrift "Topology" aus Protest: http://math.ucr.edu/home/baez/topology-letter.pdf
Wie die Situation ist und was gegen überteuerte Journals gemacht werden kann: http://math.ucr.edu/home/baez/journals.html
Ich zitiere daraus dieses ursprünglich aus dem Forbes Magazine (2002) stammende Zitat:
If you are not a scientist or a lawyer, you might never guess which company is one of the world's biggest in online revenue. Ebay will haul in only $1 billion this year. Amazon has $3.5 billion in revenue but is still, famously, losing money. Outperforming them both is Reed Elsevier, the London-based publishing company. Of its $8 billion in likely sales this year, $1.5 billion will come from online delivery of data, and its operating margin on the internet is a fabulous 22%. Credit this accomplishment to two things. One is that Reed primarily sells not advertising or entertainment but the dry data used by lawyers, doctors, nurses, scientists and teachers. The other is its newfound marketing hustle: Its CEO since 1999 has been Crispin Davis, formerly a soap salesman.Ich bin gespannt, wie sich die Situation entwickelt. Eine wichtige Rolle werden freie e-Journals dabei spielen. Die andere wichtige Rolle haben Preprint-Server, für Mathematik und Physik insbesondere http://arXiv.org (in Deinem Buch ja auch erwähnt).
Hier geht es keineswegs nur um ein wissenschaftsinternes Problem. Die Gesellschaft insgesamt ist davon betroffen. Zum einen brechen die Bibliotheken wegen der überbordenden Kosten in die Knie und müssen ihr Angebot immer weiter einschränken - der Benutzer ist der Dumme. Zum anderen finanziert die Gesellschaft einen Großteil der Forschung und hat ein Recht darauf, die Ergebnisse zu erfahren. Zwar ist es legitim, daß Journals daran mitverdienen, insofern sie durch Begutachtung und Distribution einen Beitrag leisten. Aber das rechtfertigt nicht schamlosen Wucher und daß die Gesellschaft Seifenverkäufer zu Multimillionären macht.
Die gute Nachricht ist, daß das Internet eine preiswerte und effektive Neuorganisation der Informationsverteilung ermöglicht, die maßgeblich zur Demokratisierung von Wissen und Wissenschaft beitragen kann.