Wort

Verglichen mit Musik und Film ist das geschriebene Wort und seine physische Erscheinungsform, das Buch, noch am wenigsten von der digitalen Revolution betroffen. Es gibt keine Tauschbörsen für digitalisierte Bücher, und die Versuche verschiedener Hersteller, »E-Books« auf den Markt zu bringen, stießen bei den Lesern bislang noch auf wenig Gegenliebe.

Dabei sollte das geschriebene Wort für die digitale Welt eigentlich leichte Beute sein. Auf einer einzigen CD-ROM findet der Text von 500 Büchern Platz, und im Arbeitsspeicher eines typischen MP3-Players ließen sich mehr unterbringen, als auch der fleißigste Leser in seinem ganzen Leben bewältigen könnte. Warum sind wir nicht längst auf E-Books umgestiegen und tragen die Bibliothek unseres Lebens immer bei uns, beim Joggen, beim Einkaufen, in der U-Bahn?

Den Grund dafür dürfte Umberto Eco benannt haben, als er im November 2003 einen Vortrag zur Wiedereröffnung der Bibliothek von Alexandria hielt.[48] Das Buch, so stellt Eco darin gelassen fest, ist als Technologie nicht verbesserbar. Es ist nach wie vor das einzige Medium, das es dem Leser erlaubt, längere Texte praktisch ermüdungsfrei aufzunehmen. Keine der bisher vorgeschlagenen Display-Technologien kann damit auch nur annähernd konkurrieren. Auch als Langzeitspeicher ist das Buch bislang unerreicht: Es vermag Worte über hunderte von Jahren aufzubewahren, ohne dass man befürchten muss, das Speicherformat könnte in Vergessenheit geraten oder das Medium physisch unbrauchbar werden; alles Eigenschaften, denen die digitale Welt noch nichts Vergleichbares entgegenzusetzen hat. Die zusätzlichen, sekundären Vorteile des Buchs — dass es keinen Strom benötigt, stoßfest ist, unempfindlich gegen extreme Temperaturen usw. — sind so offensichtlich, dass sie kaum einer Erwähnung bedürfen. Das Buch, so ist Eco sich sicher, wird darum auch weiterhin ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Medium des geschriebenen Wortes bleiben.

Es kommt hinzu, dass sich die E-Books bisher als nicht eben leserfreundlich erwiesen haben. Sobald das geschriebene Wort in digitalisierter Form vorliegt, kann man es natürlich ebenso einfach kopieren und manipulieren wie Audio- oder Videodaten. Um sich nicht über Nacht in derselben Situation wie die Musik- und die Filmindustrie wiederzufinden, haben die E-Book-Hersteller ihre Geräte darum von vornherein mit Lizenzmodellen und Kopierschutzmechanismen ausgestattet, die angesichts der Einfachheit des Mediums Buch sehr bizarr wirken. Ein Buch, einmal erworben, kann man verleihen, verschenken, weiterverkaufen, und man kann es, wenn es ein Kinderbuch ist, zum Beispiel auch denen, die des Selberlesens noch nicht kundig sind, vorlesen.

Nicht so bei manchen E-Books. Lawrence Lessig, Autor des Standardwerks Freie Kultur,[49] war denn auch ziemlich verblüfft, als ihm seine E-Book-Software weiszumachen versuchte, er sei nicht berechtigt, Ausdrucke oder Kopien von Aristoteles' Politik zu machen — ein Text, dessen Autor seit über zwei Jahrtausenden keine Urheberrechtsansprüche mehr geltend machen kann. Bei Alice im Wunderland behauptete die Software sogar, es sei nicht erlaubt, den Text laut vorzulesen — wobei man zur Ehrenrettung des Herstellers hinzufügen muss, dass es sich um eine missverständliche Formulierung handelte, die sich nur auf die Rechte an der Hörfassung des Buches bezog.

Unübertroffen dürfte jedoch der verbürgte Fall eines Kunden sein, der beschlossen hatte, sein E-Book auf Papier auszudrucken. Als er nach ein paar Seiten feststellte, dass der Drucker falsch eingestellt war, brach er den Vorgang ab, änderte die Einstellung und versuchte es erneut. Aber diesmal verweigerte die Software den Dienst — mit der Begründung, dass man das Buch laut Lizenz nur einmal im Jahr ausdrucken dürfe.[50]

Diese Beispiele mögen amüsant klingen. Sie zeigen aber auch, dass gerade der unbestreitbare Vorteil der digitalen Technik, die einfache, widerstandslose Verfügbarkeit von Information, durch den verzweifelten Versuch seiner Regulierung ad absurdum geführt wird. Im günstigsten, »harmlosesten« Fall bleiben damit Chancen der Digitalisierung ungenutzt, im ungünstigsten Fall — wenn sich solche Technologien in großem Stil durchsetzen sollten — könnten sie zu einer extrem verschärften Regulierung von Urheberrechtsfragen führen. Das wiederum könnte uns in eine Lage versetzen, in der wir schlechter dran sind als vorher: wenn Dinge, die wir heute für selbstverständlich nehmen, plötzlich nicht mehr ohne weiteres erlaubt sind — sei es das Weiterverkaufen eines ausgelesenen Buchs oder die Möglichkeit, einem Freund auf die Schnelle ein paar Seiten kopieren zu können.

Freilich gibt es Bereiche, in denen das Buch auf dem Rückzug ist. Für Lexika, Wörterbücher und sonstige Nachschlagewerke ist die Papierform keineswegs das beste denkbare Medium. Das liegt einerseits daran, dass solche Werke unweigerlich veralten und früher oder später komplett ersetzt werden müssen. Zum anderen lässt Information sich in elektronischen Medien sehr viel leichter auffinden als durch das alphabetische Nachschlagen in einem Buch. Gedruckte Lexika — so vermutet auch Umberto Eco — werden darum sehr bald verschwinden.

Hoch im Kurs stehen gedruckte Bücher wiederum — vielleicht überraschenderweise — in der Welt der Programmierer und sonstigen Computerbenutzer. Fast jeder kann bestätigen, dass man sich an ein unbekanntes Programm leichter herantraut, wenn man ein Referenzhandbuch neben sich auf dem Tisch liegen hat. Programmierer sind darin nicht anders.

Die Frage nach der Zukunft des Buches in der digitalen Welt ist also keine Überlebensfrage, wohl aber eine nach der Stellung und Aufgabe des Buches in dieser Welt. Zwei Aspekte, die dabei zunehmend eine Rolle spielen werden, sind die der Änderbarkeit und der Verfügbarkeit von Informationen in Buchform.

Freie Bücher

In der Frühzeit des Internet war häufig die Überzeugung zu hören, dass die Zukunft der Literatur in Hypertextualität und Interaktivität bestehen würde. An den Texten der Zukunft würde jeder mitschreiben können, sie würden sich fortwährend verändern und keinen Autor im eigentlichen Sinn mehr kennen. In seinem Alexandria-Vortrag weist Umberto Eco darauf hin, dass solche Ansätze zwar interessant sein können (»ich hoffe, dass die Schulen der Zukunft das lehren werden»), aber dass die Unveränderlichkeit des geschriebenen Wortes auch eine konstitutive Eigenschaft von Literatur ist: »Die tragische Schönheit von Hugos Waterloo besteht darin, dass die Leser fühlen, dass die Dinge unabhängig von ihren Wünschen geschehen. Der Charme tragischer Literatur ist, dass wir spüren, dass ihre Helden ihrem Schicksal hätten entgehen können, aber dass es ihnen nicht gelingt aufgrund ihrer Schwäche, ihres Stolzes oder ihrer Blindheit.«

Eco folgert: »Es gibt Bücher, die wir nicht umschreiben können, weil ihre Funktion darin besteht, uns zu erklären, was Notwendigkeit ist, und nur wenn sie als solche respektiert werden, können sie uns diese Weisheit vermitteln. Ihre repressive Lektion ist unverzichtbar, um eine höhere Form geistiger und moralischer Freiheit zu erreichen.«[51]

Die widerstandslose Änderbarkeit gerade literarischer Texte ist also nicht unbedingt wünschenswert und wohl auch für den Informationsraum der Zukunft wenig wahrscheinlich — dazu ist es zu offensichtlich, dass ein wesentliches Merkmal des geschriebenen Wortes dadurch verloren ginge.

Für andere Arten von Text ist die Änderbarkeit hingegen sehr wesentlich, und dazu gehören zum Beispiel alle Formen von technischer Dokumentation. Die Freie Software Szene sah sich in dieser Hinsicht mit dem Problem des Auseinanderklaffens von Software und den zugehörigen Handbüchern konfrontiert. Da guter Schreibstil auch unter Programmierern nicht häufig zu finden ist, werden die Handbücher oft von anderen Autoren geschrieben und in Verlagen veröffentlicht, die mit der Szene nicht näher zu tun haben. Das führt zu der paradoxen Situation, dass zwar jeder das Recht hat, die Software zu verändern und weiterzugeben, die zugehörigen Handbücher aber durch traditionelle Autorenverträge »blockiert« sind. Die Programmierer können sie nicht selbstständig anpassen, sondern sind in dieser Hinsicht den Autoren und Verlagen ausgeliefert.

Um das zu ändern, brachte die Free Software Foundation im Jahr 2000 die GNU Free Documentation License (GFDL) heraus. Sie wendet dieselben Prinzipien, die mit der GPL für Computer-Programme eingeführt wurden (vgl. S. 28 [link]), auf schriftliche Dokumente an: Jeder soll die Möglichkeit haben, ein solches Dokument zu kopieren und weiterzuvertreiben, mit oder ohne eigene Änderungen, kommerziell oder nicht-kommerziell. Gleichzeitig stellt die Lizenz sicher, dass der ursprüngliche Autor des Dokuments, wenn er das wünscht, in allen weiteren Versionen genannt werden muss und dass er auch gewisse Teile, zum Beispiel eine philosophische oder politische Präambel, als unveränderlich markieren kann — diese Teile müssen dann in allen folgenden Versionen erhalten bleiben.

Um die Kopier- und Änderbarkeit eines Dokuments zu gewährleisten, verlangt die GFDL außerdem, dass der Text in einem transparenten Format zur Verfügung gestellt wird. Um als transparent anerkannt zu werden, muss ein Format maschinenlesbar sein, seine Spezifikation muss öffentlich zugänglich sein, und es muss mit allgemein verfügbaren, nicht-proprietären Werkzeugen bearbeitet werden können.

Es ist bezeichnend für die informationstechnischen Machtstrukturen der Gegenwart, dass kaum eines der heute weit verbreiteten Textformate diese Anforderungen erfüllt. Das Portable Document Format (PDF) scheidet beispielsweise aus, weil es nicht modifizierbar ist. Auch das allgegenwärtige Microsoft Word Format ist nicht wirklich akzeptabel, weil es zwar inzwischen von nicht-proprietären Programmen wie OpenOffice.org bearbeitet werden kann, aber seine Spezifikation dennoch nicht öffentlich verfügbar ist. Zulässig ist hingegen zum Beispiel die Sprache des Web, HTML (weil durch internationale Standards definiert), oder das Rich Text Format (RTF). Ein neuer, offener Dokumentenstandard ist beispielsweise das Open Document Format (ODF), das im Umfeld von OpenOffice.org entwickelt wurde. Auch Microsoft hat der Kritik an der proprietären Natur des Word-Formats inzwischen nachgegeben, sich allerdings nicht an den ODF-Standard angeschlossen, sondern ein eigenes, offenes Format definiert, das von der nächsten Generation der Microsoft Office Programme, Office 2007, verwendet werden soll.

Trotz ihrer strengen Forderungen wird die GFDL heute für zahlreiche Software-Handbücher benutzt. Die Texte der Internet-Enzyklopädie Wikipedia (von der im nächsten Kapitel ausführlich die Rede sein wird) sind ebenfalls unter der GFDL veröffentlicht, um sicherzustellen, dass sie nicht eines Tages von cleveren Geschäftemachern in ein proprietäres Produkt umgewandelt werden können.

Ein anderes Lizenzmodell, das inzwischen weite Verbreitung gefunden hat, stammt von der Initiative Creative Commons. Unter dem Slogan »Some Rights Reserved« bietet Creative Commons für Künstler und Kreativschaffende eine »einstellbare« Lizenz an. Der Lizenzgeber kann dabei aus verschiedenen vorgefertigten Klauseln auswählen und auf diese Weise bestimmen, ob sein Werk weitervertrieben werden darf oder nicht (und wenn ja, ob zu kommerziellen oder nur zu nicht-kommerziellen Zwecken), ob es verändert werden darf und ob bei veränderten Versionen der Name des ursprünglichen Autors genannt werden muss oder nicht. Die Creative Commons Initiative unterhält Ableger in zahlreichen Ländern, die dafür sorgen, dass die Lizenzen jeweils an das Rechtssystem des betreffenden Landes angepasst sind. Sie werden nicht nur für Bücher verwendet, sondern ebenso für Musik, Filme oder andere Arten von Werken.

Das Buch im globalen Informationsraum

Die zweite große Frage, die an das Buch im digitalen Zeitalter gestellt wird, ist die Frage nach der Verfügbarkeit und der Auffindbarkeit der Information. Es ist offensichtlich, dass die Technik hier eine völlig neue Qualität bringt, denn moderne Suchalgorithmen können auch in gigantischen Informationsmengen innerhalb von Sekundenbruchteilen ein bestimmtes Wort oder eine Redewendung finden. Zwar hat das gedankenschnelle Durchsuchen eines Textes nicht das mindeste mit seiner Aneignung zu tun — eine Bibliothek zu durchsuchen heißt noch nicht, sie gelesen zu haben —, aber dass die Möglichkeit, eine bestimmte Stelle im Werk eines Autors verlässlich finden zu können, einen kulturellen Gewinn darstellt, dürften nur wenige bezweifeln.

Dass die Idee, mit Computerhilfe in Büchern zu suchen, Sinn macht, zeigt sich auch daran, dass entsprechende Dienste zunehmend kommerziell angeboten werden, etwa durch Amazon oder Google. Ein Problem dieser Dienste ist jedoch, dass sie den Text zwar durchsuchbar machen, aber nicht »hergeben« wollen. Ein einzelnes Wort in einem tausendseitigen Werk kann man so sehr schnell finden; es wird dem Benutzer mit ein paar Zeilen Kontext angezeigt, ergänzt durch die Seitenzahl in der gedruckten Fassung, wo es gegebenenfalls nachgelesen werden kann. Will aber ein Wissenschaftler eine Worthäufigkeitsanalyse in Musils Mann ohne Eigenschaften machen oder statistisch die Eigenheiten von Kafkas Kommasetzung untersuchen, dann werden ihm diese Suchdienste nicht weiterhelfen, er bräuchte dazu den Text selbst.

Es kommt hinzu, dass die spezialisierten und restriktiven Buch-Suchmaschinen nicht in den weltweiten Informationsraum eingebunden sind, zu dem das Internet zunehmend wird. Wer heute ein paar Stichwörter in eine der etablierten, globalen Suchmaschinen eingibt, bekommt meist eine Menge höchst relevanter Informationen angezeigt — nicht aber den größten, wahrscheinlich den wichtigsten und besten Teil dessen, was die Menschheit bisher zu einem gegebenen Thema zusammengetragen hat. Dieser ruht, wie der größte Teil eines Eisbergs unter der Wasseroberfläche, in gedruckten Werken in Bibliotheken und ist damit sehr viel schwerer zugänglich.

Schon seit der Frühzeit des Internet gab es darum Projekte, die sich zum Ziel setzten, Bücher in großem Stil zu digitalisieren und ihren Inhalt so besser verfügbar zu machen. Eines der ersten davon, fast älter als das Internet selbst, war das Projekt Gutenberg, das bereits 1971 von einem Studenten an der Universität Illinois gegründet wurde.[52] Sein Ziel ist, eine möglichst umfangreiche digitale Bibliothek aufzubauen, wobei man darauf achtet, nur solche Werke zu übernehmen, deren Urheberrecht bereits ausgelaufen ist. Die Digitalisierungsarbeit wird grundsätzlich von Freiwilligen übernommen und die resultierenden Texte werden in möglichst einfachen, frei zugänglichen Formaten (also z.B. als reiner Text) für jeden zur freien Verfügung gestellt. Die Bibliothek des Projekts Gutenberg umfasst inzwischen etwa 18.000 Titel, pro Woche kommen etwa 50 neue hinzu.

In die Schlagzeilen geraten ist in jüngerer Zeit das Digitalisierungsprojekt des Google-Konzerns, das im Jahr 2004 unter dem Namen Google Print gestartet und inzwischen in Google Book Search umbenannt wurde.[53] Das Projekt hat eine heftige Debatte ausgelöst, unter anderem deshalb, weil Google auch und gerade Bücher aufnimmt, deren Urheberrecht nicht abgelaufen ist und die im Buchhandel erhältlich sind. Dem Konzern wurden daraufhin Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen, geschäftsschädigendes Verhalten den Verlagen gegenüber sowie das generelle Ansinnen, das gedruckte Buch durch das Internet Googlescher Prägung ablösen zu wollen.

Gerade das Gegenteil sei der Fall, konterte das Unternehmen. Viele Verlage und Autoren, so hieß es, würden Google Book Search als willkommene Verkaufsplattform betrachten, und tatsächlich werden in der Regel nur kurze Textpassagen als Suchergebnisse angezeigt, zusammen mit mehreren Links, über die man das Buch sogleich online bestellen kann. Nur wenn der Verlag oder der Autor es ausdrücklich wünscht, werden ganze Seiten des Buches oder auch der vollständige Text freigegeben. Google sieht das Projekt als Schritt zum Aufbau eines weltweiten Wissensnetzes der Menschheit, das keineswegs das Buch ersetzen, sondern vielmehr die darin aufbewahrten Informationen leichter zugänglich machen solle.

Von einem wirklich freien Austausch von Informationen kann bei Google Book Search allerdings keine Rede sein. Ganz anders als beim Projekt Gutenberg wird der Text der digitalisierten Bücher zentralistisch auf den Google Servern verwaltet und keineswegs der Öffentlichkeit zur freien Verfügung gestellt. Angezeigt werden Suchergebnisse nur in einem Format, das keinerlei Weiterverarbeitung oder auch nur das Ausdrucken eines Textschnipsels zulässt, auch nicht bei Werken, deren Urheberrecht bereits ausgelaufen ist.

Die Freie Software Bewegung ist aus der Grundidee entstanden, dass die freie Verfügbarkeit von Information ein Wert an sich ist und dass es unethisch ist, diesen Wert irgendwelchen »ökonomischen Realitäten« unterzuordnen. Stattdessen, so argumentierte Stallman von Anfang an, sollte man besser nach ökonomischen Alternativen suchen. Er weigerte sich also, die Ökonomie an die erste Stelle zu setzen, und zeigte gleichzeitig, dass die »ökonomischen Realitäten« erstaunlich biegsam sind, wenn man es nur darauf anlegt.

Überträgt man diese Ideen auf das Buch, dann ist klar, wie seine wünschenswerte Zukunft aussehen müsste: Es wäre eine Welt, in der jeder neu erscheinende Titel vom ersten Tag an vollständig und ohne Einschränkungen online verfügbar wäre. Eine Welt, in der jedes jemals geschriebene Wort sich augenblicklich auffinden ließe. Wenn das, was weiter oben über die absoluten, uneinholbaren Vorteile des Buches gesagt wurde, stimmt, dann würden die Bücher dadurch keineswegs verschwinden. Mit Sicherheit würde der Buchmarkt ein mittleres Erdbeben aushalten müssen, aber es würde nicht bedeuten, dass keine Bücher mehr verkauft würden. Möglicherweise würden sogar nicht einmal signifikant weniger Bücher verkauft werden als heute — ausgenommen vielleicht solche, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind.